Die Geschichte des Pflegewohnhauses
Die
Historie unserer Einrichtung ist eng mit der des Evangelischen Waldkrankenhauses
Spandau verbunden. Ein Schwerpunkt der 1947 gegründeten Klinik war
die Versorgung von chronisch Kranken, die nicht mehr allein in ihrer
häuslichen
Umgebung leben konnten.
Die Einführung der Pflegeversicherung 1996 rückte die pflegerische
Versorgung, flankiert von hausärztlicher Betreuung, in den Vordergrund.
Die stark medizinisch ausgerichtete Krankenhausversorgung entsprach nicht
mehr den modernen Ansprüchen an die Betreuung alter, chronisch kranker
Menschen. Sie sollten von nun an ihren Lebensabend in einer wesentlich
wohnlicheren, „heimeligen“ Umgebung verbringen dürfen.
Von der Pflegestation zum modernen Pflegewohnhaus
Zunächst entstand aus der Abteilung für chronisch Kranke in der
5. Etage des Krankenhauses eine Pflegeeinrichtung mit 106 Plätzen.
Um mehr individuellen Komfort für die Bewohner zu schaffen, entschloss
sich der Träger (Verein zur Errichtung evangelischer Krankenhäuser
e.V.), einen Neubau auf dem Gelände des Waldkrankenhauses zu errichten.
Im Februar 2002 wurde der Grundstein für den Neubau gelegt. Nur neun
Monate später feierten Bauhandwerker, Gäste, Mitarbeiter und
künftige Bewohner gemeinsam das Richtfest für das dreigeschossige
Gebäude. Bereits im Juni 2003 konnten die Bewohner einziehen. Die
Einweihungsfeier mit Segnung durch Altbischof Dr. Martin Kruse fand im
Rahmen einer Feierstunde im Oktober 2003 statt.
Denkmalschutz für die Arbeiterstadt „Große
Halle“
Der moderne Bau lässt schnell vergessen, dass sich an jener Stelle
noch vor wenigen Jahren Gebäude mit historischer Bedeutung befanden.
Auf dem Gelände nahe dem Spandauer Forst wurde zwischen 1939 und 1942/43
die Arbeiterstadt „Große Halle“ errichtet. Bauherr war
Albert Speer, der im Auftrag Adolf Hitlers die Reichshauptstadt („Germania“)
neu gestalten sollte. Nukleus sollte ein etwa 290 Meter hoher Kuppelbau
im Zentrum Berlins sein, die so genannte Große Halle.
Die für dieses Vorhaben erforderlichen Arbeiter sollten in der Arbeiterstadt „Große
Halle“ untergebracht werden. Im Gegensatz zu anderen Arbeitslagern
wurden die Gebäude nicht im Barackenstil und als Provisorium erbaut,
sondern als aus Stein gemauerte Gemeinschaftsunterkünfte, die für
längeren Bestand angelegt waren. Geplant waren auch Sportplätze,
Filmvorführmöglichkeiten, Theater, Festhalle und Schwimmbecken.
Doch diese hochtrabenden Pläne wurden ebenso wenig umgesetzt wie der
Bau der Großen Halle im Zentrum Berlins.
Zwangsarbeiter für die deutsche
Kriegswirtschaft

Unterkunftsgebäude
Sammlung BräutigamIn
den Unterkünften der Arbeiterstadt „Große Halle“ wurden
zunehmend zwangsrekrutierte Arbeitskräfte aus den von Deutschland
besetzten Gebieten kaserniert. Ein Großteil der Insassen bildeten „Fremdarbeiter“ der
Siemens-Werke, des Heereszeugamtes in Spandau und der Deutschen Industriewerke
AG in Ruhleben, die teilweise eigenes Wach- und Kontrollpersonal im Sammellager
abstellten.
Im April 1945 wurde das Gelände der Arbeiterstadt durch sowjetische
Truppen besetzt. Danach bezog ein britisches Regiment bis Herbst 1946 die
zum großen Teil unbeschädigten Gebäude. Mit Einwilligung
der britischen Alliierten wurde 1947 das Evangelische Waldkrankenhaus
Spandau gegründet.
Bewahren und Erinnern
Acht der Gebäude aus jener Zeit sind erhalten geblieben und stehen
unter Denkmalschutz. Aufwändig modernisiert werden sie heute von der
Krankenpflegeschule, als Hebammenhaus sowie für Veranstaltungen genutzt.
Im Haus 16 dokumentiert eine Dauerausstellung die Historie der Arbeiterstadt „Große
Halle“, die auch an das Leid der Zwangsarbeiter erinnert.
Quelle: Helmut Bräutigam, Arbeiterstadt „Große Halle“, Begleitheft zur Ausstellung, 1997
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Mediendesign | Letzte Aktualisierung am
04.06.2007